Diese Geschichte beginnt mit einem Totalschaden: Meine FRITZ!Box 5690 Pro hat sich mit einem letzten Seufzer verabschiedet. Irreparabel. Was folgte, war erst Ärger, dann eine neue 7690, und am Ende die überraschendste Erkenntnis meiner Heimnetz-Karriere: Das größte WLAN-Upgrade in diesem Haus hat keinen Cent gekostet.
Aber der Reihe nach.
Die Ausgangslage: ein Haus aus den 60ern mit Ansage
Unser Haus ist Baujahr 60er, und es bringt zwei Gegner mit, die jedem WLAN-Signal den Kampf ansagen. Erstens: tragende Poroton-Wände im Erdgeschoss, gleich zwei davon zwischen Router und Küche. Zweitens: eine Kaiserdecke zwischen Erdgeschoss und erstem Stock. Falls du den Begriff nicht kennst: Das ist eine Stahlsteindecke, Hohlziegel zwischen Stahlträgern. Für Funkwellen wirkt das Stahlraster fast wie ein Faradayscher Käfig, besonders auf 5 GHz.
Die Besatzung: eine FRITZ!Box 7690 als Zentrale, ein FRITZ!Repeater 6000 im Erdgeschoss, ein 1750E im ersten Stock und ganz am Ende der Kette ein kleiner Repeater 600, zwei Räume weiter. Und genau dort, am Ende der Kette, kamen 40 Mbit an. Instabil. Videocall-Abbrüche inklusive.
Irrweg Nummer 1: Powerline
Mein erster Reflex vor Jahren war Powerline. Gleiche Phase, sollte also klappen. Das Ergebnis mit einem D-Link-Set war niederschmetternd. Woran es lag, weiß ich bis heute nicht genau: langer Leitungsweg über den Verteilerkasten, ein FI-Schalter dazwischen, Störer wie LED-Netzteile auf dem Stromkreis. Vermutlich von allem etwas. Merke: Powerline ist Lotterie, und alte Elektrik verkauft keine Gewinnlose.
Irrweg Nummer 2: mehr Hardware kaufen wollen
Nach dem Router-Tausch war mein Plan klar: Der schwächste Repeater fliegt raus, ein neuer Wi-Fi-7-Repeater kommt rein, Problem gelöst. Kostenpunkt: rund 140 Euro. Bevor ich bestellt habe, bin ich aber nochmal in die Analyse gegangen. Und die hat den Kauf komplett gestrichen.
Erkenntnis 1: Funkwellen mögen keinen schrägen Einfall
Der erste Aha-Moment: Es zählt nicht nur, WO ein Repeater steht, sondern in welchem WINKEL das Signal durch die Wand muss. Trifft der Funkweg schräg auf eine 24er-Poroton-Wand, wirkt sie effektiv wie 40+ Zentimeter Mauerwerk. Steht der Repeater so, dass das Signal möglichst senkrecht durch die Wand geht, gewinnst du schnell mal 6 bis 10 dB. Das ist der Unterschied zwischen „ein Balken, nichts geht“ und „läuft einfach“.
Ich habe also nur den Repeater 6000 im Erdgeschoss umgestellt. Ergebnis: Küche und Esszimmer, vorher Funklöcher, liefen plötzlich stabil. Kosten: null.
Erkenntnis 2: Das Mesh entscheidet nicht immer klug
Der zweite Aha-Moment kam beim Blick in die Mesh-Übersicht der FRITZ!Box. Mein Repeater im ersten Stock verband sich nicht etwa mit dem 6000er direkt unter sich (kurzer, senkrechter Weg durch die Decke), sondern quer durchs halbe Haus direkt mit der FRITZ!Box. Das Mesh-Steering bevorzugt die Direktverbindung zur Basis, solange deren Signal irgendwie „ausreichend“ erscheint. Jeder zusätzliche Hop kostet schließlich Latenz. Was der Algorithmus dabei übersieht: Der 6000er ist ein Triband-Gerät mit eigenem Funkmodul für den Uplink. Die Kaskade über ihn ist in meinem Grundriss die klar bessere Route.
Das Problem: Manuell umstellen kann man den Uplink in der Repeater-Oberfläche nicht mehr, seit die Geräte im Mesh laufen. Es gibt aber einen offiziellen Trick über die Connect/WPS-Tasten: Am Repeater, der umgehängt werden soll, die Taste rund 6 Sekunden drücken, bis die LED blinkt. Dann innerhalb von 2 Minuten am Zielgerät (bei mir: dem 6000er) die Connect-Taste kurz drücken. Die WPS-Kopplung bindet den Repeater an genau dieses Gerät, und die Funkstrecke wird sein Uplink.
So habe ich die komplette Kette umsortiert: FRITZ!Box, darunter der 6000er, darunter der Repeater im ersten Stock, daran der kleine 600er am Ende. Jede Funkstrecke möglichst senkrecht durch das jeweilige Hindernis.
Das Ergebnis
Am Standort des letzten Repeaters, hinter zwei Poroton-Wänden und einer Stahlsteindecke, drei Funk-Hops von der Box entfernt: 211 Mbit statt instabiler 40. Stabil. Mehr als Faktor 5, ohne einen Cent auszugeben. Der geplante Repeater-Kauf ist gestrichen, beziehungsweise aufgeschoben bis zu dem Tag, an dem Glasfaser anliegt und die Kette wieder zum Engpass wird.
Und der vielleicht wichtigste Effekt, den kein Datenblatt misst: Die Kinder haben aufgehört zu quengeln.
Die Learnings in Kurzform
Erst messen, dann kaufen.
Die Mesh-Übersicht der FRITZ!Box zeigt dir, welcher Repeater woran hängt und mit welcher Datenrate. Das ist die Landkarte fürs Tuning.
Geometrie schlägt Sendeleistung.
Funkwege möglichst senkrecht durch Wände und Decken legen. Einen Repeater einen Meter zu verschieben, kann mehr bringen als ein neues Gerät.
Dem Mesh-Steering auf die Finger schauen.
Die automatische Uplink-Wahl ist nicht immer die beste. Mit dem WPS-Kopplungs-Trick lässt sich die Kette gezielt umsortieren.
Kaskaden sind okay, wenn das Zwischenglied Triband ist.
Ein Repeater mit dediziertem Backhaul-Funkmodul (wie der 6000er) reicht die Bandbreite fast verlustfrei weiter.
Powerline in Altbau-Elektrik: Erwartungen tief hängen.
Und wenn testen, dann nur mit Rückgaberecht.
Im nächsten Beitrag geht es um die Frage, die vor diesem ganzen Umbau stand: Welche FRITZ!Box kauft man eigentlich, wenn DSL noch da ist, Glasfaser aber irgendwann kommt? Spoiler: Es ist nicht das teurere Modell.

